Wir gratulieren!

Und zwar Ihnen und uns. Denn in diesen Tagen ist es ein Jahr her, dass wir diesen Blog gestartet haben. Viele sind von Anfang an dabei. Damit konnte keiner rechnen. Wir dürfen uns freuen.

Das „wir“ bezieht dabei ausdrücklich Sie mit ein. Denn dass Sie hier sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Dass eine rasch wachsende Anzahl von Menschen ein Jahr lang über den Galopp der Globalisierung, über Sustainable Supply Chains, über die allzu menschliche Seite des Business, über Moral, Audits, Online-Handel, Logistik-Innovationen und viele andere Themen liest, sich informiert und mitdiskutiert, das ist in WhatsApp-Zeiten eher ungewöhnlich. Sagen wir: außergewöhnlich. Herausragend. Darauf dürfen wir stolz sein. Und nicht nur, weil’s das Ego polstert.

Sondern weil es ein bemerkenswerter Gegentrend zu einer Entwicklung ist, die sich als absolut, penetrant und zum Steinerweichen unreflektiert erweist. Der moderne Mensch merkt doch gar nichts mehr! Wir tragen Kleidung, für die Plantagensklaven mit Pestiziden besprüht werden – und das juckt uns weniger als ein kratziger Pullover. Weil mit dem Kassenbon auch gleich der Freibrief zur Reflexionsindolenz kommt. Wir wissen, dass allein in Deutschland jährlich rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen, was uns nicht davon abhält, den gelegentlichen Kanten hartes Brot völlig reflexionsfrei in die Tonne zu treten – übrigens keine rein teutonische Eigenart.

Auch jeder Franzose schmeißt im Schnitt jedes Jahr 20 bis 30 kg Lebensmittel weg, die noch gut und gerne genießbar gewesen wären. Merde alors! Solange uns das nicht handlungsleitend stört, ändert sich nichts. Und stören kann uns nur, was wir reflektieren. Leider ist Reflexion in unseren Tagen total out. Da wird nicht reflektiert, da wird konsumiert – oder gemanagt, ja nach Position auf der Supply Chain.

Von daher ist es außergewöhnlich, dass Sie sich, manche Woche für Woche, diese kleine Auszeit für Reflexion nehmen; auch Blog genannt. Wie gut sowas tut, demonstrieren die eben gescholtenen Franzosen: Am Ende ihrer Reflexion haben sie das Wegwerfen von Lebensmitteln schlicht verboten – zumindest für die vom Gesetz erfassten Lebensmittel. Supermärkte spenden seither Lebensmittel oder bieten dezidiert „altes“ Obst und Gemüse und Waren wie die bolzengerade Banane an, die nicht dem EU-Lebensmittelstandard entsprechen. Die Franzosen haben sogar einen Namen für diese Lebensmittel (der uns leider entwischt ist: Wer kennt ihn? Wer kann uns auf die Sprünge helfen?). Wer ein Weilchen reflektiert, macht die Welt ein bisschen besser.

Wir bilden uns eine Menge auf unsere formale Bildung ein: Abi, Lehre, Studium, Promotion … Wir vergessen dabei nur zu gern, dass nicht das Teilnahme-Zertifikat, sondern die Reflexion die Mutter jeder Kompetenz ist. Natürlich sind Seminare wichtig, Schulabschlüsse unabdingbar, Bachelor, Master und der Staplerfahrerschein notwendige Voraussetzungen für beruflichen Erfolg. Doch nur wer das erworbene Wissen regelmäßig auf dem Hintergrund der erlebten Realität – oder eines Blogs – reflektiert, haucht dem starren Wissen Leben ein, steigert seine/ihre Handlungskompetenz und wächst, ganz nebenbei, an Erfahrung, Kompetenz und charakterlicher Reife. Das ist der eigentliche Zweck unserer gemeinsamen wöchentlichen Veranstaltung. Seit einem Jahr.

Herzlichen Glückwunsch!

7 Kommentare zu „Wir gratulieren!

  1. Super!
    Ich bin neu hier!
    Ich recherchiere gerade für meine Masterarbeit, die sich mit Nachhaltigkeit in der Bekleidungsindustrie befassen wird. Der Titel steht noch nicht… gut Ding will Weile haben :)
    Mit Spannung werde ich hier öfter vorbei schauen!!

    DANKE, dass Sie sich mit diesem Thema befassen!!
    Und Gratulation zu einem – so schein es – erfolgreichen Blog!

    Viele Grüße

    Iris

    1. Danke fürs Reinklicken und das Kompliment – aber dass der Blog gerade richtig abhebt, liegt ja wohl auch an euch und Ihnen. Gute Themenwahl für die Masterarbeit! Gut, mutig und richtig. Ich drücke alle Daumen, liebe Iris!

    1. Herzlichen Dank, liebe Alcessa! Es gibt doch kein Vergnügen vergleichbar mit dem, eine wie Zahnweh schmerzende Wissenslücke kompetent gefüllt zu kriegen. Das ist das Schöne an einem intelligenten Blog: Frau bekommt Antwort und Anregungen von intelligenten Menschen. Danke!

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