Die Zukunft

Die Experten warnen unablässig: 4. Industrielle Revolution, Digitalisierung, Robotisierung und Künstliche Intelligenz werden Millionen Menschen arbeitslos machen. Sollten, müssen wir uns Sorgen machen? Wir können, müssen aber nicht.

Denn besser als sich sorgen, ist es, sich Gedanken zu machen. Nehmen wir an, die Zukunft möchte uns tatsächlich den Job klauen – wie stellt sie das an? Die Antwort auf diese Frage macht diffuse Sorgen überflüssig, weil sie sehr konkret ausfällt – wenn man sich Gedanken macht. Mögliche Abbilder der Zukunft können in Form von Szenarien dargestellt werden. Als konkreten Kern dieser Szenarien wählen wir etwas, das inzwischen alle kennen; den 3D-Druck.

Der 3D-Druck hat im letzten Jahr immer mehr den technologischen Sprung von der Losgröße 1 zur Serienproduktion geschafft. Damit kann er nicht nur Unikate und Sonderteile wirtschaftlich sinnvoll drucken, sondern bald auch in die Massenproduktion einsteigen. Denn zum Beispiel der neue Lightspee3D druckt tausendmal schneller als die alten Modelle. Auf dieser Basis kristallisieren sich vier Zukunftsszenarien heraus, von denen wir zwei betrachten:

1.    Um Kleider, Nahrung, Schuhe, Geschirr, Garagen, Häuser und was auch immer herzustellen, braucht man nicht mehr Fabriken und Hersteller-Know-how, sondern lediglich einen 3D-Drucker – und die entsprechende Software für den Drucker, um jedes beliebige und digitalisierte Produkt auszudrucken. Die Software kann jeder einkaufen. Also warum nicht auch Logistikdienstleister, weil sie künftig nicht nur die Waren der Hersteller transportieren, sondern selber Waren herstellen wollen? Dann kommt der Trainingsanzug nicht mehr von adidas, sondern von DHL, zum Beispiel.

2.    Je preisgünstiger die Drucker werden, desto eher und häufiger werden sie auch von normalen Haushalten angeschafft: Die Fabrik steht dann nicht mehr im Industriegebiet, sondern in der eigenen Wohnung.

Das wäre dann die 5. Industrielle Revolution. Im zweiten Szenario sind nicht nur die traditionellen Hersteller entmachtet und ihrer Geschäftsgrundlage beraubt, sondern auch die Logistiker. Wer in der eigenen Wohnung ausdruckt, hat keinen Bedarf für Logistik. Schiffs- und Luftfracht, Schienen- und Straßentransport wären kaum mehr nötig. Komplette Industrien werden überflüssig. Weil die Drucker inzwischen auch so gut wie in allen nötigen Materialen ausdrucken können: Kunststoffe, Metalle, Baustoffe, Nahrungsmittel (Stichwort „Pizza aus dem Drucker“).

Man muss kein Zukunftsforscher sein, um ausrechnen zu können, dass die Fabrik in der Wohnung Millionen Menschen in den Fabriken und am Steuer der Kleintransporter arbeitslos machen wird. Womit bezahlt die Armee der Arbeitslosen dann die schönen neuen Drucker? Womöglich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen, das seinerseits über eine Maschinensteuer finanziert wird.

Es geht hier nicht darum, sich Sorgen über die Zukunft zu machen. Wenn uns zu Hause das Mineralwasser ausgeht, nützt uns Sorgenmachen herzlich wenig. Wenn es um die Zukunft geht, sind Fähigkeiten gefragt, die wir in unseren wohlstandssatten Zeiten in den letzten Jahren stark vernachlässigt haben: Offenheit für neue Entwicklungen, geistige Frische und Unvoreingenommenheit für neue Ideen, Mut zum frühen Einstieg, zum „Mal ausprobieren!“, zum anfänglichen Fehlermachen (Fail Fast Culture) und Flexibilität für alternative Lebensentwürfe. Schon heute übernimmt der 3D-Drucker viel mehr Aufgaben als man denkt, zum Beispiel in der Hörgeräte-Fertigung, die seit kurzem heftig mit dem Drucker arbeitet.

Wobei das Risiko der Arbeitslosigkeit mit Verbreitung und Intensität von Einstellungen steigt wie „So schlimm wird es schon nicht werden!“, „Das betrifft uns doch nicht!“, „Unsere Kunden wollen sowas nicht!“, „Das ist noch weit hin!“. Wir haben lange in Zeiten gelebt, in denen wir mit Recht annehmen durften, dass das Morgen nicht so viel anders sein wird als das Heute. Das hat sich geändert. Ändern auch wir uns.

Zukunftsfähigkeit ist eine Fähigkeit wie Kopfrechnen auch: Niemand wird damit geboren. Jede und jeder kann sich das selber beibringen. Und das sollten wir auch.

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