Das tollste Team der Welt

Arbeiten Sie in einem Team? Wir alle arbeiten und leben in Teams, Abteilungen, Arbeitsgruppen, Familien, Vereinen, Verbänden, Gremien. Arbeiten Sie gerne darin? Ay, there’s the rub, würde Shakespeares Hamlet sagen.

Viele von uns würden lieber in einem anderen Team, einem besseren, einem Spitzenteam arbeiten. Weil es sich besser anfühlt? Das auch. Aber vor allem – und auch das wissen wir alle: Weil es mehr bringt. In Spitzenteams arbeiten wir nicht nur lieber, sondern auch besser. Das fühlen wir. Das ist nicht nur ein Gefühl. Die Wissenschaft bestätigt das.

Schon 1999 legte Amy Edmondson, Wissenschaftlerin an der Harvard Business School, ihr Konzept der Psychological Safety, der psychischen Sicherheit vor. Es gilt heute, in unseren stressigen, dynamischen und komplexen Zeiten, mehr denn je. Ihr Prinzip ist denkbar einfach und spontan einleuchtend: Je sicherer sich ein Mensch in einem Team fühlt, desto besser, effektiver, effizienter und innovativer arbeitet das Team. Psychische Sicherheit bedeutet: Ich kann in diesem Team meine persönlichen Potenziale einbringen, ohne negative Konsequenzen für mein Selbstbild, meinen Status oder meine Karriere befürchten zu müssen. Anders, positiv ausgedrückt: Ich werde in diesem Team (Verein, Firma, Familie …) in allen meinen persönlichen und fachlichen Aspekten akzeptiert und respektiert. Kein Spott, keine Häme, keine Trollerei.

So gesehen sind die meisten sozialen Medien mit ihren endemischen Häme-Kommentaren keine psychisch sicheren Ökosysteme, sondern erstaunlich reaktionäre Sphären der gegenseitigen Verunsicherung. Pikanterweise testete ausgerechnet Google das Konzept der psychischen Sicherheit vor rund drei Jahren im Project Aristotle an Hunderten Mitgliedern von mehr als hundert befragten Teams. Das Google-Projekt bestätigte das Sicherheitskonzept vollinhaltlich: Sichere Teams sind bessere Teams.

Dass ich in einem Team, in dem ich mich sicher, akzeptiert und respektiert fühle, produktiver bin, leuchtet unmittelbar ein: Ich kann meine hochfliegenden Ideen einbringen, ohne Angst, dass ich ausgelacht oder unsachlich kritisiert werde – einer der Hauptkillerfaktoren der Effizienz und Innovationskraft vieler Unternehmen (und Familien). Wie kommt man zu so einem tollen Team? Was machen diese tollen Teams anders?

Vereinfacht könnte man sagen, dass sie sich an den Kant’schen Imperativ halten: Den anderen so behandeln, wie man selber behandelt werden möchte. Heute würde man eher sagen: Den anderen so behandeln, wie er oder sie behandelt werden möchte. In psychologisch sicheren Teams …

  • … lässt einerseits jeder jeden ausreden, langweilt andererseits andere aber auch nicht mit ellenlangen Ausführungen.
  • … werden die eigenen Argumente nicht apodiktisch („So und nicht anders wird das gemacht!“) vorgebracht, sondern nachvollziehbar begründet.
  • … wird stets auch auf den Standpunkt des/der anderen eingegangen – und zwar vorwurfs- und abwertungsfrei.
  • … heißt man Neugier willkommen: Es gibt keine dummen Fragen. Wer fragt, will etwas wissen – und Wissen kann nie dumm sein.

Warum leben und arbeiten wir nicht alle längst in solchen Teams, Familien, Abteilungen, Nationen? Die einfache Antwort: Ego. Das Ego vieler Zeitgenossen lässt es nicht zu, dass man andere erst mal ausreden lässt oder sie nicht mit Endlostiraden langweilt. Das Ego hält die eigenen Argumente für die besten, weshalb man ja auch die Standpunkte der anderen ignorieren kann. Und das Ego wertet andere ab, denn wer andere abwertet, wertet damit gleichzeitig sich selbst auf (denkt es dem situativen oder notorischen Egomanen, wie G.C. Lichtenberg das ausdrücken würde). Oder wie Ryan Holiday bestsellernd titelte: „Ego is the Enemy“. Ego ist keine Krankheit. Selbst wenn es eine wäre: Schulung, Selbstreflexion, Achtsamkeit oder schlicht gesunder Menschenverstand bewirken schon in homöopathischen Dosen wahre Wunder. Ein Wunder, das dringend benötigt wird. Denn in sicheren Teams …

  • … steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit von Prozessverbesserungen.
  • … lernen Teammitglieder mehr aus eigenen Fehlern.
  • … engagieren sich Teammitglieder stärker.
  • … ist die Innovationsstärke höher.

Diese Vorteile sicherer Teams leuchten so unmittelbar ein wie die Faktoren der Sicherheit. Leider gilt für diese: Easy to understand, hard to master. Einfacher eingeleuchtet als umgesetzt. Wir alle würden lieber in sicheren Teams arbeiten – aber tun es oft genug nicht. Das ist das Problem: Wir tun es nicht. Noch nicht. Denn gerade die Sicherung von Teams muss nicht „von oben“ angeschoben werden. Wir könn(t)en selber etwas dafür tun. Es liegt in unserer Hand.

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