Leer fährt nicht mehr!

Loadfox ist ein interessantes neues Start-up. Im Grunde eine Online-Frachtbörse.  Wir hatten das Thema schon öfter, weil das Problem immer noch nicht gelöst ist: 20 Paletten Obst und Gemüse fahren von Bremerhaven nach Kassel – was fährt zurück? Der leere LKW und verstopft die Autobahn, verpestet die Luft und verpulvert das Geld des Spediteurs ohne Gegenwert. Und warum?

Weil der Spediteur in Kassel keine Rückfracht findet. Wenn er selber keinen Kunden hat, der etwas von Kassel nach Bremerhaven gefahren haben will, dann bleibt der LKW leer oder eben kaum ausgelastet. Denn bislang sind einem Spediteur lediglich die eigenen Frachten bekannt – und Tausende anderer täglich eben (noch) nicht. Genau das versuchen Frachtbörsen wie Loadfox zu ändern. Je mehr Unternehmen sich bei so einer Börse anmelden und mitmachen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass der LKW nicht leer nach Bremerhaven zurückfährt, weil er eine Rückfracht findet. Im Idealfall muss nie wieder ein LKW leer oder nur mager beladen unterwegs sein. Wie viele sind es denn heute?

Die Zahl ist recht ernüchternd: Europaweit werden im Schnitt rund 40 Prozent des Frachtraums nicht genutzt. Und das in Zeiten, in denen Diesel-PKW nicht in viele Städte reindürfen. Aber LKW dürfen leer durch die Gegend fahren? Genau das versuchen Frachtbörsen zu vermeiden.

Es gibt seit längerem auch schon andere solcher Börsen. DHL und Schenker haben zum Beispiel eigene Börsen – aber sie reichen eben nicht über die Grenzen des eigenen Unternehmens heraus. Deshalb möchte Loadfox eine Börse anbieten, die unternehmensübergreifend agiert: Alle können und sollen mitmachen. Und jeder hat dafür einen Anreiz, denn Leerfahrten schaden allen und nützen keinem.

Loadfox kommt übrigens aus München. Die Börse ist eine Ausgründung von MAN Trucks zusammen mit einer Tochter der Boston Consulting Group (BCG). Vater und Mutter der Börse sind also schon mal keine No Names, sondern mächtige Player mit vermutlich ausreichend Kapital, hoher Motivation und starken Kapazitäten, um die Börse zum Erfolg zu führen. Erfolg hätten dabei dann alle: Von einer erhöhten Kapazitätsauslastung auf der Ladefläche von LKW’s und Aufliegern profitieren wir alle. Wer sorgt dafür?

Die „unsichtbare Hand“ im Hintergrund der Börse ist keine menschliche, sondern ein Algorithmus, der Ladefläche und Fracht sinnvoll miteinander kombiniert und zusammenbringt, was zusammen gehört. Niemand muss sich von Hand die Finger wundklicken auf der Suche nach einer geeigneten Rückfracht: Das macht schon der Algorithmus auf rechnerisch bestmögliche Weise. Schneller als das Menschen könnten.

Für alle, die Frachten planen, ist das eine planungstechnisch extreme Vereinfachung und Erleichterung. Sie müssen im Vorfeld eines Transports noch nicht einmal vorher mit den unterschiedlichen Spediteuren reden und die Fracht klarmachen: Das macht alles der Rechner, der Digitalisierung sei Dank.

Fachleute gehen davon aus, dass die Börse für kleine und mittlere Unternehmen besonders nützlich ist. Also für Spediteure mit zweistelliger LKW-Flotte. Denn Transporteure mit dieser Größe haben es erfahrungsgemäß besonders schwer, neue und größere Aufträge zu generieren.

Wer sich auf der Plattform registriert, kommt einfacher und schneller an die passenden Fahrten. Außerdem hilft die Plattform den kleinen und mittleren Unternehmen, ihre Prozesse schneller und besser zu digitalisieren. Gerade Unternehmen in dieser Größenordnung haben im Allgemeinen ihre liebe Mühe, der Digitalen Revolution hinterher zu kommen. Sie machen ihre Aufträge oft noch mit E-Mail und Telefon aus. Jetzt erledigt das die Plattform für sie. Voll digital und automatisch.

Trotz seiner geringen Lebensjahre ist Loadfox bereits gut unterwegs. Es nehmen schon jetzt über 5.000, vor allem mittelständische Spediteure und Frachtführer teil. Tendenz steigend. Toll wäre natürlich, wenn nicht irgendwann, sondern möglichst bald so gut wie alle mitmachen würden, die Fracht zu transportieren haben und die Fracht transportieren. Die digitale Technologie ist da, sie läuft, sie funktioniert – jetzt liegt es an uns Menschen.

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