Das lässt sich ändern!

Was erwarten Sie? Wenn wir online bestellen, ist klar, was wir erwarten: schnellstmögliche, günstigste und transparente Belieferung (wer vermisst an dieser Stelle das Adjektiv „umweltschonend“?). Ganz gleich, welcher Paketdienst an Ihrer Wohnungstür klingelt: Er interessiert sich für Ihre Erwartungen, weil er im Rennen bleiben möchte. Mindestens genauso brennend interessieren ihn jedoch die Erwartungen der Versandhäuser und Online-Händler. Aus einem einfachen Grund: Sie bezahlen die Rechnung für unsere Belieferung. Was also erwarten Versender und Händler von einem modernen Logistikdienstleister?

Das untersucht die aktuelle DHL-Studie „The Logistics Transport Evolution: The Road Ahead“, die in diesen Tagen erschienen ist. Darin befragte DHL seine Firmenkunden aus Versand und Handel rund ums Thema: Was erwarten Sie von uns?

Die Antwort hängt stark davon ab, wem die Frage gestellt wird. Der Online-Handel zum Beispiel erwartet mittlerweile die Belieferung seiner Kunden möglichst noch am Bestelltag oder spätestens tags darauf: flächendeckend. Und wir wundern uns über die zunehmenden Staus auf den Straßen?

Außerdem wollen Versender wie auch wir Endkunden durchgehend über den Verlauf ihrer Bestellung Bescheid wissen mit lückenloser und unkomplizierter Transparenz. Und natürlich: Möglichst flexible und möglichst kostenlose Rücksende-Optionen.

Hinzu kommen variable Zustell-Optionen: Haustür, Nachbar, Paketstation, Agentur, morgens oder abends und am besten auch noch nach Feierabend. Und die Logistikdienstleister müssen diese Erwartungen erfüllen. „Der Kunde bestimmt das Tempo!“ hört man in der Branche oft. Und was der Kunde erwartet, hält er inzwischen für den Standard, für üblich, für nicht mehr der Rede wert: Damit kann sich ein Logistikunternehmen nicht mehr gegenüber der Konkurrenz profilieren. Flexibilität, Transparenz und Schnelligkeit sind kein Added Value mehr, sondern Business as Expected.

Anders herum: Wer nicht so flexibel, transparent und schnell ausliefern kann wie wir und die Versender das erwarten, verliert Aufträge und Arbeitsplätze. Das ist hart. Hart ist auch, wie sich unser Kaufverhalten verändert hat: Der Unterschied zwischen einem Gartensessel A und einem Gartensessel B ist zunehmend nicht mehr der Gartensessel selbst, sondern wie schnell, kostenarm/los, transparent und flexibel er ausgeliefert wird.

Darüber hinaus gaben 76 Prozent der befragten Händler und Versender an, dass sie bereits heute Umweltaspekte in ihre Logistikentscheidungen mit einbeziehen: Wer grüner ausliefert, kriegt eher den Zuschlag. Fragt sich, warum es nicht 100 Prozent sind. Doch für jene 76 Prozent heißt das auch: Mehr E-Transporter auf der Straße! 30.000 Streetscooter mit Elektromotor möchte zum Beispiel DHL in den nächsten Jahren auf die Straße schicken, um bis ins Jahr 2025 rund 75 Prozent der letzten Meile elektrisch zu beliefern. Andere Paketdienste ziehen nach. Geplant ist auch ein Streetscooter mit Wasserstoff-Antrieb und bis zu 500 km Reichweite, der im Winter bei Minusgraden nicht so schnell schlappmacht. Die Logistik tut mächtig was für Umwelt und Klima. Wissen das die Leute, die freitags protestieren?

Wobei der Klimaschutz im Dienste unserer Kaufwut doch recht problematisch ist. Es gibt sehr wenige E-Kleintransporter auf dem Automarkt – deshalb baut DHL den Streetscooter ja auch selber. Und für Pakete und Päckchen reicht das auch. Doch sobald zum Beispiel für die Möbelauslieferung eine Hebebühne am LKW benötigt wird, wird es mit der Auswahl der Fahrzeuge schwierig. Deshalb sucht die Logistik händeringend nach E-Transportern – aber es produziert sie noch kein etablierter Automobilhersteller für den Massenmarkt. Die Logistik will umweltschonend ausliefern, aber sie kann es noch nicht im gewünschten Umfang.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Städte weltweit Mautgebühren für Stoßzeiten erheben: Wer in der Stadt ausliefern möchte, muss den Aufschlag bezahlen, wenn er mit dem Diesel rein möchte. Die Anreize für E-Autos sind also da – aber die E-Autos noch nicht. Außerdem sind E-Fahrzeuge teuer und gerade in der Logistik herrscht ein mörderischer Kostendruck. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, zu erfahren, was passieren würde, wenn ein großes Online-Versandhaus in Zusammenarbeit mit einem Logistikdienstleister eine Premium-Belieferung anbieten würde: Absolut klima- und umweltfreundlich, aber dafür mit 1,20 € Aufschlag, um die Klima- und Umweltfreundlichkeit bezahlen zu können. Wer von uns würde das anklicken? Wie viele KundInnen? Das wäre der Offenbarungseid für das nationale Umwelt- und Klimabewusstsein.

Vor allem, da Politik und Medien mantra-artig predigen, dass das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung gesteigert werden müsse. Entschuldigung: Bewusstsein allein bezahlt keine Aufschläge. Dass Klimaschutz kostet, dessen sind sich wohl alle bewusst – aber nicht alle wollen dafür bezahlen: Beitrag schlägt Bewusstsein.

Alles in allem zeigt die Studie: Unter allen Einflussfaktoren auf die Logistik der nahen Zukunft übt – wen wundert’s – der E-Commerce den größten Einfluss auf logistische Entscheidung und Planung aus. Wie wäre es, wenn man diesbezüglich deshalb E-Commerce nicht mehr als Electronic Commerce, sondern als Ecological Commerce verstehen würde? Oder anders gefragt: Bei wie vielen Online-Käufen achten wir darauf, welcher Logistiker unsere Bestellung zu uns nach Hause bringt und wie umweltfreundlich er das macht? Die etwas peinliche Wahrheit ist: Die führenden Logistikdienstleister sind inzwischen mit weitaus mehr Klima- und Umweltbewusstsein unterwegs als wir Konsumenten beim Konsum. Das lässt sich ändern.

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