Ist das nicht verrückt?

Eben noch wurde das E-Auto als Retter der Menschheit, des Klimas und der Umwelt gepriesen und von den Mainstream-Medien mit einer Vehemenz gefordert, die an Besessenheit grenzte und die eine ganze Industrie geradezu nötigte, milliardenschwer in E-Produktionsanlagen zu investieren – und jetzt sitzt das E-Auto schon wieder auf der Ersatzbank und medial wird einem neuen Heilsbringer gehuldigt: dem H-Auto, dem Wasserstoff-Antrieb, dem Auto mit Brennstoffzelle.

Und wie immer, wenn es um die Brennstoffzelle geht, erinnern wir uns an Chemie 101, wo der Pauker das Reagenzröhrchen mit Sauerstoff mit dem Röhrchen mit Wasserstoff zusammenbrachte und es daraufhin wild knallte – daher der Name: Knallgasreaktion. Wenn so eine Reaktion zigfach verstärkt in einem Motor abläuft, rollt der Wagen. So weit die Idee.

Gefördert wird diese Idee nun durch die in diesen Tagen beschlossene 9-Milliarden-Euro-Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung. Ihr Ziel besteht darin, CO2-freien Wasserstoff bezahlbar zu machen. Denn bislang ist der Weltretter noch irre teuer, weil seine Herstellung extrem viel Energie benötigt. Energie, die bislang in schmutziger Form geliefert wird: aus Erdgas, Kohle, in manchen Ländern aus Kernkraftwerken. Schmutziger Wasserstoff jedoch ist ziemlich verrückt: Das H-Auto stößt hinten als Abgas lediglich hauptsächlich Wasserdampf aus. Doch bei der Produktion seines Wasserstoffs wird tonnenweise CO2 ausgestoßen? Das wäre wirklich verrückt. Also muss der Wasserstoff fürs Auto aus umweltfreundlicher und klimaneutraler erneuerbarer Energie kommen: aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft. Das nennt man dann „grünen Wasserstoff“ – im Gegensatz zum blauen Wasserstoff, der bei seiner Produktion viel CO2 produziert.

Wenn der grüne Wasserstoff so umweltfreundlich ist, warum fahren wir dann nicht längst alle damit? Weil es bislang noch nicht genügend saubere Energie gibt, um viele Millionen Autos mit dem nötigen grünen H zu versorgen. Deshalb will die H-Strategie der Bundesregierung bis 2040 saubere Stromkapazität in Höhe von 10 Gigawatt aufbauen. Das ist die Leistung von zehn Atommeilern; in der Fachsprache Elektrolyse-Kapazität genannt. Wie soll das gehen? So viel Wind, Wasser und Sonne gibt es doch gar nicht!

Hierzulande sicher nicht. Hierzulande, wo bereits heute um jedes neue Windrad jahrelang gestritten wird. Wir wollen zwar alle das Klima retten – aber bitte nicht vor unserer Haustür! Die Verantwortlichen gehen deshalb davon aus, dass wir über kurz oder lang Sonne und Wind importieren müssen. In Form von Strom aus wind- und sonnenreichen Regionen Europas und/oder Afrikas – und an diesem Punkt scheiterte bereits vor Jahren DESERTEC, ein Projekt mit ähnlichem Ansinnen. Ist die H-Strategie also auf heißer Luft gebaut?

Man möchte es unseren Kindern und Enkeln nicht wünschen. Denn nicht nur das Auto ist eine CO2-Schleuder ohnegleichen. Rund 14 Prozent der CO2-Emissionen blasen die Schornsteine unserer Häuser in die Luft. Auch sie könnten hoffentlich bald mit Wasserstoff heizen, ganz zu schweigen von den vielen Produktionsprozessen der Industrie, die bislang noch Klimagift in die Atmosphäre speien. Wenn man bedenkt, dass wir als Nation bis 2040 den CO2-Ausstoß radikal reduzieren wollen/müssen, drängt sich die Schlussfolgerung geradezu auf: Das schaffen wir nur mit Wasserstoff. Doch bis wir dieses Ziel erreichen, sind noch etliche aus heutiger Sicht unüberwindlich scheinende Hürden zu nehmen. Nehmen wir Anlauf!

 

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