Danke, lieber Bote

Wieder einmal: Weihnachten steht vor der Tür. Seit September gibt es Lebkuchen im Discounter und seit Anfang November läuft das Weihnachtsgeschäft – was die Paketsendungen angeht.

Schon vor vielen Monaten begannen die Lieferdienste, sich auf die Hochsaison vorzubereiten. DHL zum Beispiel prognostiziert ein Sendungsaufkommen von über 11 Millionen Paketsendungen pro Tag an den Tagen kurz vor Weihnachten. DHL ist Marktführer bei den Paketsendungen. Mitbewerber Hermes zum Beispiel erwartet 2,2 Millionen Sendungen täglich in der Advents- und Vorweihnachtszeit. Im letzten Jahr wurden vor den Feiertagen rund 300 Millionen Sendungen verschickt und zugestellt. Allein in Deutschland. Bei der Kapazitätsplanung für das kommende Fest gehen die Experten davon aus, dass diese Zahl locker übertroffen werden wird. Weihnachten wird immer populärer – was das Schenken und Schicken angeht. Man weiß nicht, was man von dieser Totalsäkularisierung eines Hochfestes christlichen Glaubens halten soll. Die Lieferdienste wissen es: Sie kommen kaum mehr hinterher.

Deshalb schlagen Hermes, UPS und DPD auf: Sie verlangen für die Zeit ab 1. November einen Peak-Zuschlag. Nicht von uns Bestellern und Käufern, aber von Herstellern, Webshops, Versendern und Händlern.  Wie hoch dieser Zuschlag ist, wird individuell verhandelt. Da nützen die Logistikdienstleister die Händler-Hochsaison schamlos aus?

Mitnichten. Die jährlich zunehmende Kauf-Hysterie können die Lieferdienste saisonal kaum mehr stemmen. Allein Amazon stellt Tausende befristete Lagerarbeiter ein, die händeringend gesucht und immer weniger gefunden werden, weil a) die Arbeit ein Knochenjob ist und b) nicht wirklich üppig bezahlt. Der Peak-Zuschlag ist genau dafür gedacht: Er soll für die Lohn- und Personalkosten verwendet werden. Pay more, get more.

Das freut die Arbeitnehmer in Spedition, Lager und Transport. Doch es schmälert die Marge vieler Hersteller, Versender und Branchen, für die das Weihnachtsgeschäft über Wohl, Wehe und Existenz entscheidet. Spielwaren und Bücher zum Beispiel. Wenn diese Branchen mit dem Weihnachtsgeschäft in nur wenigen Wochen nicht grob ein Viertel ihres Jahresumsatzes einfahren, lodert das Ladensterben hoch. Aber es hilft ja alles nichts: Wenn die Logistik nicht mehr hinterherkommt, müssen die Preise hoch, um genügend Leute einstellen zu können.

Das gilt nicht nur fürs Weihnachtsgeschäft, sondern generell. Weshalb die Post auch zum 1. Januar die Paketpreise erhöht. Viele Lieferdienste sind deshalb froh über den Peak-Zuschlag: Eigentlich war der schon lange fällig. Denn die Kosten für die Logistik sind wegen unserer Bestell-Wut stärker gestiegen als die Umsätze. Deshalb mussten die Preise hoch – es hat sich bislang bloß keiner getraut. Von der Belastung der Lieferfahrer und Lagerarbeiter her betrachtet ist das nicht mehr als recht und billig.

Denn Pakete schleppen ist Hochleistungssport, weshalb bei UPS zum Beispiel jetzt in der Hochsaison sogar die Mitarbeitenden aus der Verwaltung runter ins Lager kommen und an die Rampe stehen, beim Sortieren und Ausliefern ihren KollegInnen zur Hand gehen: Alle packen mit an. Wir können uns vorstellen, dass so mancher Büroarbeiter danach die Weihnachtstage nutzen wird, um seinen Muskelkater zu kurieren.  Denn viele Pakete sind groß und schwer und unhandlich. Wir machen ja schon nach einer halben Stunde Krafttraining im Fitness-Studio schlapp und die Menschen bei den Lieferdiensten stemmen die Paketflut acht, zehn Stunden täglich? Was für eine Strapaze. Wir könnten etwas dagegen tun.

Wir könnten zum Beispiel unseren Paketboten entlasten. Indem wir ein bisschen mitdenken. Wenn wir bestellen und absehbar nicht zu Hause sein werden für die Zustellung, dann könnten wir auch am Paketzentrum oder an der Paketstation anliefern lassen oder einen Nachbarn organisieren. Damit der Bote nicht zwei-, dreimal umsonst unser Paket vom LKW zur Haustür, die Treppen hoch und wieder runter schleppen muss. Einmal ganz von der Zeit abgesehen, die er oder sie verliert, wenn er oder sie vergeblich an unserer Türe klingelt, wartet, nochmal klingelt und dann unverrichteter Dinge weiterhetzen muss. Ein bisschen Entgegenkommen und Mitdenken unsererseits wäre ganz reizend. Weihnachten als Fest der Nächstenliebe? Mal was Neues.

Wie wäre es außerdem mit einem Dankeschön, wenn der Bote zustellt? Dem Vernehmen nach ist das eher selten zu hören. Das wäre ein guter Vorsatz für die Weihnachtszeit: Ein Dankeschön zu Weihnachten! Wer schafft zwei?

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