Hat Trump recht?

Vor kurzem waren in den USA die Midterm-Wahlen und Präsident Trump hat den Wahlkampf mit Versprechungen angeheizt, noch mehr Zölle zu erheben. Schon davor tobte der Zollkrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt seit Monaten. Er zeigt keine Anzeichen, sich zu beruhigen. Hierzulande betroffen sind viele Unternehmen, die in die USA exportieren, insbesondere Stahl- und Automobilindustrie. Donald Trump behauptet, Zollkriege gegen Länder mit Handelsbilanzüberschuss seien einfach zu gewinnen, da diese Länder nur verlieren könnten. Diese Zuversicht ist mutig: Wie kann jemand ein Spiel gewinnen, bei dem der Gegner einfach das Spielfeld verlassen kann, wenn er mit den neuen Spielregeln nicht mehr einverstanden ist?

Genau das passiert seit Einführung der Strafzölle: Die Warenströme versiegen nicht einfach, sondern werden zu großen Teilen umgeleitet. Deshalb heißen sie so: Auch der Rhein ist ein Strom und hört nicht bloß deshalb auf zu fließen, weil jemand einen großen Stein in den Fluss schmeißt. Der Rhein fließt drum herum und die nichtamerikanischen Stahlhersteller suchen sich einfach andere Märkte für ihren Stahl. Abnehmer gibt es genug, die Nachfrage ist hoch. Im Endeffekt schadet das wem?

Den amerikanischen Kunden. Entweder müssen sie für ihren importierten Stahl mehr bezahlen oder ihn im eigenen Land produzieren. Das allerdings ist kurzfristig nicht ohne weiteres möglich, da es sich meist um importierte Spezialstähle handelt, für die es schlicht keine oder zu wenig Fabriken in den USA gibt. Ergo: Zölle schaden auch und gerade dem, der sie erhebt. Der Strafzoll ist ein Bumerang.

Natürlich erleben deutsche Exporteure dabei auch einen teilweisen Auftragsrückgang. Aber das ist Business as usual: Fällt ein Kunde weg wegen was auch immer, sucht man sich einen neuen oder verkauft einem alten eben mehr. Exporteure fallen nicht in Depressionsstarre, bloß, weil irgendwo auf der Welt mal wieder ein neues Handelshemmnis aufgetaucht ist. Diese Hemmnisse stets aufs Neue zu überwinden ist das täglich Brot jedes Exporteurs. Zum Beispiel in China.

China hat schon immer eine Abschottung des eigenen Marktes betrieben: Raus darf möglichst alles und möglichst viel davon, rein am liebsten so wenig wie möglich. Also exportiert zum Beispiel die deutsche Automobilindustrie keine Autos nach China, sondern baut sie in China selber. In China haben sich ausländische Unternehmen seit Jahrzehnten auf einen abgeschotteten Markt eingestellt. In den USA ist das neu. Das ist das eigentliche Problem – nicht die Strafzölle an sich.

In China konnte man sich seit Jahrzehnten auf die Abschottungspolitik einstellen und wird es absehbar auf Jahrzehnte hinaus können. Viele Großunternehmen könnten nach bewährtem Muster nun deshalb auch in den USA, wie in China, zu Tausenden neue eigene Fabriken bauen. Doch die demokratischen USA sind unsicherer als das staatspartei-regierte China: Dass die chinesische Regierung auch weiterhin abschotten wird, steht außer Frage. Aber wer garantiert, dass Trump in zwei Jahren wiedergewählt wird? Bis in zwei Jahren würden viele neue Fabriken in den USA gerade halb oder ganz fertiggestellt sein und dann kommt eine Präsidentin ans Ruder und hebt die Strafzölle auf? Unter dieser Unsicherheit vernünftige und millionenschwere Entscheidungen zu treffen, ist fast unmöglich.

Und Trump geht ja noch weiter. Er möchte auch eine Art Grenzsteuer einführen: Während Importeure weiter Zölle auf ihre eingeführten Waren bezahlen müssen, können US-Exporteure ihre Exporte von der Steuer absetzen. Das heißt: Exporte sind gut, Importe sind schlecht. Make America great again heißt: Amerika produziert alles selber, muss nichts mehr einführen. Was nur dann funktionieren würde, wenn man sämtliche Rohstoffe für sämtliche Produkte in ausreichender Menge im eigenen Land finden würde. Tut man aber nicht. Man ist abhängig vom Welthandel, von anderen Ländern und von Importen. Deshalb sind Strafzölle weniger Strafe als Unfug.

Kriegt man aus den Medien mit, welchen Unfug die Mächtigen der Welt fallweise anstellen, hört sich das meist bedrohlich an und wird von den Medien auch meist als Bedrohung dargestellt. Unterschlagen wird bei dieser Art von Berichterstattung die Kehrseite der Medaille: Wo vorne „Bedrohung“ draufsteht, steht hinten „Herausforderung“ drauf. Und die deutschen Exporteure stellen sich auch dieser neuen Herausforderung, weil das ihr Geschäft ist: Herausforderungen überwinden, Challenges annehmen.

Wirtschaften bedeutet wie Leben auch: ständige Anpassung an ständig sich verändernde Gegebenheiten und Züge des Gegners. So funktioniert jedes Ballspiel, jedes Brett- und jedes Computerspiel. So funktionieren Leben und Wirtschaft. Wir können das. Wir machen das längst. Es steckt in unseren Genen. Man nennt es Evolution: Wir haben uns immer angepasst. Wir sind immer mit allem fertig geworden, was sich uns in den Weg gestellt hat. Wir sollten uns gelegentlich darauf besinnen. Am besten jeden Tag aufs Neue.

2 Kommentare zu „Hat Trump recht?

  1. Was sich Trump dabei denkt ist auch mir ein Rätsel. Eine große Gefahr ist doch auch, dass sich die ausländischen Unternehmen auf Grund der Zölle andere Geschäftspartner im Ausland suchen und die guten Wirtschaftsbeziehungen mit den USA abbauen. Wenn Trump in einigen Jahren, (spätestens 6-7) dann nicht mehr an der Macht ist und die Fußfesseln gelockert werden, wer garantiert dann, dass die ehemaligen Geschäftspartner zurück kommen und wieder eine enge Bindung mit Unternehmen in den USA aufbauen, wenn sich über die Jahre hinweg andere Länder als erfolgreiche Handelspartner etabliert haben? Die USA müsste dann Anreize schaffen, um diese Beziehungen wieder aufzubauen, was ihnen abermals schaden würde oder liege ich hier falsch? Natürlich sind aber auch viele andere Szenarien denkbar, jedoch kommt mir keines in den Sinn, das für die USA in absehbarer Zeit gut endet.

    1. Lieber Benedikt, da sprechen Sie ein großes Wort gelassen aus: Wer weiß schon, was Herr Trump sich bei dem allem denkt? Auch im zweiten Punkt Ihrer Überlegung kann ich Ihnen nur zustimmen: Nichts von dem, was in den USA gerade läuft, wird auf absehbare Zeit gut enden. Und zwar für keinen Beteiligten und Betroffenen. Deshalb heißt es auch Handels“krieg“. Oder wie Yoda sagte: „Kriege machen keinen groß.“

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