Was macht eigentlich der Hyperloop?

Vor gut einem Jahr haben wir über den Hyperloop berichtet. Heute fragen wir: Was hat sich seither getan? Können wir bald superschnell reisen, ohne die Umwelt zu verpesten? Wie bald?

Wir erinnern uns: Der Hyperloop ist ein Hochgeschwindigkeitsverkehrssystem.  Elon Musk stellte das Konzept 2013 einer breiten Öffentlichkeit vor. Die Idee ist nicht neu. Die Älteren von uns kennen sie noch von der Rohrpost im Büro: Man rollte ein paar Seiten Papier zusammen, steckte sie in eine Kapsel und die Kapsel in das Rohrsystem im Büro – und mit Druckluft wurde die Kapsel ins nächste Stockwerk oder Gebäude geschossen. Im Prinzip macht der Hyperloop dasselbe jetzt mit Menschen. Nur viel schneller.

Denn in der Röhre ist keine Druckluft, nicht einmal normale Luft, sondern überhaupt keine Luft, also ein Vakuum. Dazu bewegt sich die Kapsel auf einer Magnetschwebebahn, die zusammen mit der vakuumbedingten Reibungslosigkeiten Geschwindigkeiten von bis zu 1.200 km/h zulässt. Die knapp 600 Kilometer von München nach Berlin, für die man heute noch trotz ICE-Sprinter etwas unter vier Stunden braucht, könnten wir dann in leicht unter einer halben Stunde zurücklegen: Die Revolution des Reisens.

Wenn wir große Strecken so schnell zurücklegen könnten – wer würde da noch mit dem Auto reisen? Oder mit dem Flugzeug? Wir könnten Autobahnen und Rollfelder zurückbauen und begrünen und das Klima wäre gerettet. Denn zum Beispiel für die Strecke von Amsterdam nach Südfrankreich bräuchte ein vollbesetzter Hyperloop-Zug lediglich – was schätzen Sie? Wieviel Energie?

Sie kommen nie drauf. Die Zahl ist einfach unglaublich: umgerechnet die Energie von 2 Litern Benzin. Pro Kopf? Nein, pro Zug und Fahrt. Oder 20 Prozent der Akku-Ladung eines Tesla-Autos. Wo liegt der Haken?

Bei den Baukosten. Einige Experten schätzen sie auf bis zu 30 Millionen Euro – pro Kilometer. Andere gehen von 60 Millionen aus. Zum Vergleich:  Ein Autobahn-Kilometer kostet im Schnitt zehn Millionen (selbst diese Zahl ist unerklärlich für Menschen, die der Bürokratie und der Bauvorschriften unkundig sind). Allein diese Unsummen schrecken viele Menschen ab, die sich eigentlich um unsere Klima-Zukunft kümmern sollten. Andere lassen sich nicht abschrecken.

In Hamburg zum Beispiel wollen Logistiker testen, was der Hyperloop für den Transport von Gütern taugt. Bis in zwei Jahren soll am Hamburger Hafen eine Teststrecke von 100 Metern Länge gebaut werden. Wer in Physik aufgepasst hat, wird jetzt sofort protestieren: Das ist ja viel zu kurz!

Denn damit der Hyperloop Schallgeschwindigkeit erreicht, braucht es eine Anlaufstrecke von 54 Kilometern Länge. Fünf Minuten lang werden die Passagiere dabei wie beim Antritt eines Porsches in den Sitz gepresst. Auf nur 100 Metern von Null auf über Tausend Sachen beschleunigt zu werden – das hält kein Mensch, kein Container und kein Porsche-Pilot aus. Deshalb wird der Hamburger Hyperloop auch erstmal nur zum Beschleunigungstest genutzt, denn die technischen Herausforderungen rund um den Hyperloop sind bislang alles andere als gemeistert.

Auf der etwa 600 km langen Strecke von Los Angeles nach San Francisco zum Beispiel müsste man für den Hyperloop bei einem Röhrendurchmesser von zwei Metern ein Vakuum von zwei Millionen Kubikmetern erzeugen.  Zum Vergleich: Die bislang größte Vakuum-Kammer der Welt – sie gehört der NASA und steht in Ohio – schafft gerade mal ein Volumen von 30.000 Kubikmetern. Im Klartext: Wir haben derzeit noch gar nicht die technischen Mittel, sprich die Vakuum-Pumpen-Technik, um ein so großes Vakuum zu erzeugen, wie es der Röhrenzug benötigt. Einmal ganz von den damit verbundenen Risiken abgesehen.

Denn beim kleinsten Riss in der Röhre (durch Erdbeben, Sabotage, Verarbeitungs- oder Konstruktionsmängel) würde die Luft von außerhalb mit Schallgeschwindigkeit in die Röhre eindringen und die Röhre würde implodieren – samt Passagieren und Fracht. Wenn das so hoch riskant ist, warum bauen sie dann in Hamburg überhaupt so ein Ding?

Weil wir nicht mehr allzu weit von einem Szenario entfernt leben, in dem der Durchbruch innovativer Transporttechnologien eine absolute Notwendigkeit für das weitere Bestehen unseres Planet sein wird. Spätestens dann ist „zu teuer“ kein Argument mehr.

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