Zum guten Abschluss

Ein guter Abschluss ziert das Ganze – im Alltag, aber natürlich insbesondere beim Studium. Konkret ist gemeint: die Abschlussarbeit, also die schriftliche Arbeit zum Bachelor- oder zum Master-Abschluss.

Im Wintersemester 2018/19 waren über 2,8 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Mehr als je zuvor in der Geschichte deutscher Hochschulen. Nichtsdestotrotz brechen im Schnitt rund ein Drittel der Studierenden aller Studiengänge ihr Studium ab, wie eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung DZHW (2017) zeigt.

Abgebrochen wird überwiegend in den ersten vier Semestern des Bachelor-Studiums. Beim Master-Studium sind es erwartbar weniger: rund ein Viertel Abbrecher. Überdurchschnittlich hoch ist die Abbruchquote in den Natur- und Ingenieurswissenschaften. Wie das?

Denn als Ingenieur ist man/frau schwer begehrt, stark nachgefragt, heftig von den Unternehmen umworben. Wenn es so etwas wie eine Arbeitsplatzgarantie nach Studienabschluss gäbe, dann sicher für den deutschen Ingenieur, der international geradezu eine Qualitätsmarke verkörpert. Also warum abbrechen?

Das ist etwas naiv gefragt, denn den Abschluss als Ingenieur bekommt man ja nicht nachgeworfen. Deshalb sind „Leistungsprobleme“ der häufigste Grund für einen Abbruch; banal ausgedrückt: Prüfung nicht geschafft. Ein weiterer Grund in der Statistik ist „mangelnde Motivation“, was man sich für einen der sichersten und bestbezahlten Jobs der westlichen Welt kaum als Grund vorstellen kann. Es sei denn, man vergegenwärtigt sich, dass nicht alle, die vor dem Studium bereits 12 oder 13 Jahre lang die Schulbank drückten, eine unerschöpfliche Motivation mitbringen; vor allem, wenn diese extrinsischer Natur ist und man/frau hauptsächlich Ingenieur studiert, weil die Eltern es wollten oder weil dieser akademische Grad so viel Prestige verspricht. Diese externen Antriebe erlahmen früher oder später fast zwangsläufig.

Ein dritter häufiger Grund für den Abbruch ist der Wunsch nach praktischer Tätigkeit, was ebenfalls mit Blick auf ein ganzes bisheriges Leben, das auf der Schulbank verbracht wurde, verständlich ist (umso beachtlicher die Motivation jener, die „es durchziehen“). Wobei insbesondere dieser Wunsch auch anders erklärt werden kann.

Denn viele Studierende haben Monate vor der eigentlichen Abschlussarbeit bereits Job-Angebote, nach denen sich Kommilitonen anderer Fächer die Finger lecken würden. Angesichts der Gehälter, die dabei in Aussicht gestellt werden, ist die Versuchung geradezu überwältigend, die Abschlussarbeit sausen zu lassen, vom grassierenden Ingenieursmangel zu profitieren und den Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Verständlich, aber fatal. Denn die Sache ist im Grunde einfach: Ohne Abschlussarbeit ist man/frau kein Ingenieur. Hervorragende Prüfungsergebnisse ändern daran nichts. Auch nicht die aktuelle Arbeitsmarktlage. Die Abschlussarbeit ist Bestandteil des Studiums. Was juckt das, wenn man vorzeitig einen Spitzenjob abgreifen kann? Einiges.

Denn so sehr Studierende von den händeringend nach Ingenieuren suchenden Praxisunternehmen auch umworben werden: Hat der Ingenieur ohne Abschlussarbeit einmal unterschrieben, verdient er zwar im Vergleich zum Studium geradezu atemberaubend, stößt aber früher oder später an die berüchtigte Glasdecke. In vielen Unternehmen ist es undenkbar, dass „jemand ohne Abschluss“ zum Abteilungsleiter befördert wird. Denn in den Augen der Karriere-Auguren ist der einstmals heftig umworbene Jungstar nichts anderes als ein Studienabbrecher. Ich weiß, das ist eine üble Doppelmoral. Aber das Berufsleben ist nun mal kein faires Spiel. Ich finde das nicht schön, aber wir alle sind den Regeln des Spiels unterworfen.

Sein Ingenieursstudium nach den Prüfungen und vor der Abschlussarbeit abzubrechen ist umso leichtsinniger, als dass Studierende der Ingenieurswissenschaften relativ einfach ein gutes Thema finden können. Im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen muss der Ingenieur sich nicht mühsam selber ein Thema zurechtzimmern, sondern kann auf eine umfangreiche Liste bereits ausgeschriebener Themen zugreifen und sich eines aussuchen, das optimal zu seinen oder ihren Neigungen und Fähigkeiten passt.

Außerdem besteht die Möglichkeit, die eigene Arbeit auch an außeruniversitären Forschungseinrichtung wie der Fraunhofer-Gesellschaft oder an einem Max-Planck-Institut zu schreiben – oder bei einem Unternehmen der Wirtschaftspraxis. Wählt man eine der renommierten Forschungseinrichtungen, dann bearbeitet man meist Kooperationsprojekte und erhält Einblick in die anwendungsorientierte Wissenschaft unterschiedlicher Disziplinen. Schreibt man die Arbeit im Unternehmen, dann meist über Projekte, die einen direkten und unmittelbaren Praxisbezug und -nutzen haben. Praktischer geht’s nimmer.

Wobei sich diese extreme Praxisnähe auch ungünstig auswirken kann. Zwar ist eine Abschlussarbeit bei einem Unternehmen praktisch der Türöffner für ein exzellentes Job-Angebot. Doch bleibt dieses Job-Angebot wegen unvorhergesehener widriger Umstände aus und ist die Abschlussarbeit zu sehr auf das betreffende Unternehmen abgestimmt, tun sich andere potenzielle Arbeitnehmer natürlich schwer, diese Abschlussarbeit ernst zu nehmen. Einmal ganz davon abgesehen, dass gerade auch die Prüfer die allgemeine Verwendbarkeit der Arbeit anzweifeln könnten; nach dem Motto: Und was hat die übrige Welt nun davon?

Bei Praxis-Arbeiten besteht auch die Gefahr, dass sie zu aufgebläht werden, weil das Unternehmen immer neue und immer mehr Aspekte in die Arbeit hineinträgt. Kein Wunder: Da hat man nun mal einen exzellent qualifizierten Forscher, den man noch nicht einmal gemäß seiner Qualifikation bezahlen muss – also bürdet man ihm alles auf, was sich über die Jahre an Forschungsstau angesammelt hat. Ähnlich hoch ist die Gefahr, dass die Abschlussarbeit eine endlose Geschichte wird, weil der Absolvent abhängig davon ist, dass ihm die Unternehmensangehörigen mit den nötigen Daten versorgen – doch die haben meist anderes zu tun, zum Beispiel ihre eigentliche Arbeit.

Wer jedoch diese Klippen umschifft, erwirbt sich mit einer praxisnahen Abschlussarbeit nicht nur seinen Abschluss und akademischen Grad, sondern auch mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen künftigen Arbeitsplatz. In diesem Zusammenhang ein Hinweis in eigener Sache: Der Lehrstuhl für Supply Chain Management bietet für einen guten Abschluss eine ganze Reihe von interessanten Fragestellungen an: https://www.scm.rw.fau.de/studium-lehre/abschluss-und-projektarbeiten/themenausschreibungen/#collapse

Ein Blick hinein lohnt sich. Außerdem besteht selbstverständlich die Möglichkeit und die Bereitschaft, dass wir Abschlussarbeiten betreuen, die in einem Unternehmen geschrieben werden. Eine Abschlussarbeit ist nicht nur eine Pflichtübung der Prüfungsordnung einer Uni, sondern ein praxiserprobtes Sprungbrett für einen gelungenen Sprung in einen erfolgreichen und vielversprechenden Berufseinstieg.

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