China wird sauberer

Chinesische Eco-Cities – also ökologisch nachhaltige Städte? In China? Gibt es das?

Man hört doch hierzulande und in den Medien immer nur von der exorbitanten Luftverschmutzung in den chinesischen Großstädten. Also was hat es mit dem trendigen Begriff der Eco-City auf sich?

Die rasant voranschreitende Urbanisierung stellt chinesische Städte und Stadtplaner seit Jahrzehnten vor extreme Herausforderungen was Stadtplanung, Verkehr und Energieversorgung anlangt – mit teilweise gravierenden Konsequenzen für verschmutzte Luft, verunreinigtes Leitungswasser, monströse Abfallberge, ruinierte Umwelt und arg strapazierte Stadtbewohner. Auf gut Deutsch: China muss dringendst seine Städte ökologisch gestalten, deren Energieversorgung auf nachhaltig umstellen und viel weniger Emissionen produzieren. Hier kommt Deutschland ins Spiel.

Um die dringend nötige Energiewende zu schaffen, wird mit Hilfe der Deutschen Energie-Agentur DENA (ein bundeseigenes Unternehmen) in ausgewählten Stadtteilen chinesischer Städte an den sogenannten Eco-Cities gearbeitet. Stand heute gibt es 25 Pilot-Städte, mit und in denen neue Lösungsansätze erprobt werden.

So gibt es in diesen Modell-Stadtteilen unter anderem Lighthouse-Projekte zum energie-effizienten Bauen. Es werden Häuser gebaut, die weniger Energie verbrauchen für Heizung und Heißwasser und damit weniger Emissionen bei der Energieerzeugung verursachen.

Die Initiative der Eco-Cities ist Teil einer deutsch-chinesischen Zusammenarbeit unter dem Titel „Innovation gemeinsam gestalten“ sowie der deutsch-chinesischen Urbanisierungspartnerschaft. Es tut sich also was in China. Warum zusammen mit Deutschland? Und das bereits seit 2014?

Weil in China deutsches Know-how und deutsche High Tech in den schnell wachsenden Mega Cities gefragt sind. Dabei darf der Begriff „Eco City“ erst dann benutzt werden, wenn der betreffende Stadtteil seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 30 Prozent reduziert. Die erfolgreichen Lösungen sollen dann auf andere chinesische Kommunen übertragen werden.

Wesentliches Charakteristikum dieses Ansatzes ist, dass keine Insellösungen gesucht werden, sondern die Stadt als Ganzes betrachtet wird, mit allen relevanten Faktoren wie Gebäude, Energie, Wasser und Abfall. Das sind die Aktionsfelder, in denen alle Bemühungen ablaufen.

Beim Faktor „Gebäude“ setzt man auf hoch energie-effiziente Neubauten und Sanierung von Altbauten unter Integration der erneuerbaren Energien mittels multi-funktionellen Bau-Elementen.

Im Bereich „Energie“ wird unter anderem ein bi-direktionales, kombiniertes Wärme/Kälte-Netz eingesetzt sowie Biomasse und Geothermie genutzt.

Im Verkehr kommen unter anderem Straßenmanagement-Systeme und eine intelligente Straßenbeleuchtung zum Zuge. Bei Wasser und Abwasser wird in Abwasser-Wärmerückgewinnung und Schlamm-Stabilisierung investiert. Beim Müll werden Abfall-Trennkonzepte oder auch die Kraftstoff-Produktion aus Lebensmittel-Abfällen erprobt. Und im letzten Aktionsfeld, bei Informationstechnologie und Innovation, werden unter anderem Smart Metering (intelligente Strom- und Wasserzähler) und Smart Living (das Haus heizt zum Beispiel nur dann, wenn Menschen sich darin aufhalten) ausgetestet.

All diese Maßnahmen werden auf Basis des eigens dafür entwickelten Energie- und Klimaschutz-Managementsystems EKM koordiniert, kontrolliert und gesteuert. Das System hat sich bereits in deutschen Städten bewährt, zum Beispiel in Mannheim. Sein Vorteil: Es zeigt den Stadtverwaltungen auf, wo und wie konkret sie zum Beispiel Energie einsparen können. Denn auch und gerade dieses entscheidende Wissen ist seltsamerweise sowohl in deutschen wie auch in chinesischen Städten kaum vorhanden: Man weiß zwar, dass man massig Energie einsparen müsste und auch könnte. Man wusste bislang bloß nicht so genau, wo und wie. Das EKM sagt, wo und wie.

Sind die kommunalen Sparpotenziale aufgedeckt, kann ein Stadtteil ein umfassendes Energie-Konzept erarbeiten. Wobei ein Stadtteil einer chinesischen Metropole häufig mehr Einwohner hat als ganz Berlin mit seinen rund 3,8 Mio. Bürgerinnen und Bürgern. China hat derzeit 66 Millionen-Städte. Deutschland hat vier (in dieser Reihenfolge): Berlin, Hamburg, München und Köln.

Fazit: Es geht mit Umwelt, Energie und Klima voran. Vielleicht nicht schnell genug. Korrektur: Ganz sicher nicht schnell und umfassend genug. Aber es geht voran. Man würde sich wünschen, dass diese Fortschritte und Bemühungen mindestens genauso viel mediale, öffentliche und juvenile Aufmerksamkeit erhalten würde wie Flug-Scham oder Klima-Empörung. Denn jedes kleine Öko-Projekt, das die Nachhaltigkeit einen kleinen Schritt voranbringt, ist besser als die größte Groß-Demo, die nichts Konkretes bewirkt und dabei noch massig Emissionen produziert. Seltsam, dass in diesem entscheidenden ökologischen Zusammenhang der sonst so häufig zitierte Kästner-Ausspruch bislang noch eher selten zu hören und zu lesen ist. Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es. „Tun“ ist das Verb, auf das es ankommt. Tun wir’s.

 

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