E-Auto: Warum eigentlich?

Alle reden übers E-Auto. Die Regierung, die Leitartikler, die Medien und die Automobilindustrie, die in diesen Tagen millionenschwere Werbekampagnen gestartet hat. Tenor: Wer das Klima retten möchte, muss E-Auto fahren. Stimmt das? Ist das E-Auto wirklich „alternativlos“?

Informierte Zeitgenossen erinnern sich: Natürlich gibt es eine Alternative zum Elektro-Auto! Zum Beispiel den ÖPNV. Oder die Brennstoffzelle, sozusagen das H-Auto (H für Wasserstoff). Zur Erinnerung kurz die Chemie dazu; ganz kurz sogar, in nur einem Wort: Knallgasreaktion. Der Wasserstoff aus dem Fahrzeugtank wird in einer Brennkammer mit Sauerstoff vermischt, was – wir erinnern uns (hoffentlich) an unsere ersten Chemie-Stunden – zu einer exogenen Reaktion führt, zur sogenannten kalten Verbrennung, bei der mächtig Energie frei wird, die wiederum das Auto antreibt. Wasserstoff statt Benzin und statt Elektrizität. So weit das Antriebsprinzip.

Die großen Vorteile des H-Autos: keine Ladezeiten, nur Tankzeiten, vergleichbar mit dem Benzintanken. Sehr viel höhere Reichweite. Deutlich höhere Nutzlasen werden möglich. Kein Giftmüll wie bei der Entsorgung der hochgiftigen Auto-Akkus. Das H-Auto muss obendrein nicht die schweren Akkus mit sich herumschleppen. Und der größte Vorteil: Als „Abgas“ entsteht lediglich Wasserdampf (wir erinnern uns an die Kondenströpfchen im Reagenzglas, nachdem der Chemie-Lehrer es hat krachen lassen). Und dann besuchen wir die IAA und stellen fest: überall E-Autos.

Nur ganz wenige Modelle mit Brennstoffzelle, allenfalls in einer kaum beachteten Nebenrolle. Die Branche setzt voll auf E-Mobilität. Warum das, wenn das H-Auto so viele Vorteile hat? Aus einem einfachen Grund: Wasserstoff herzustellen benötigt wahnsinnig viel Energie. Was nicht schlimm wäre, wenn diese Energie bei der Verbrennung wieder frei würde und das Auto antriebe. Tut sie aber nicht. Nur 25 bis 35 Prozent der eingesetzten Energie kommt am Ende auf die Straße. Das H-Auto hat ungefähr denselben Wirkungsgrad wie der Diesel, den die veröffentlichte Meinung am liebsten ganz verbieten würde. Die Glühbirne haben wir vor Jahren abgeschafft wegen ihres mageren Wirkungsgrades. Daher ist das H-Auto zwar umweltfreundlich, aber energiefeindlich.

Bei so einem geringen Wirkungsgrad: Woher nehmen wir die Riesenmenge Energie, die wir für eine flächendeckende H-Mobilität bräuchten? Müssten wir wieder Kernkraftwerke bauen? Würden wir die Kohlekraftwerke wieder anlaufen lassen? Oder jeden freien Hektar mit Solaranlagen und Windrädern zubauen?

Dann würde das H-Auto aber immer noch dreimal so viel Ökostrom für 100 km brauchen wie das E-Auto. Würden wir es uns jemals leisten können, so viel Energie zu verschwenden? Das H-Auto hat im Betrieb eine ganz phantastische Öko-Bilanz und eine ganz bescheidene Energie-Bilanz.

Hinzu kommt der Status Quo: Bislang gibt es in ganz Deutschland lediglich 60 Tankstellen für Wasserstoff, jedoch inzwischen knapp 15.300 Ladestationen fürs E-Auto (ihre Anzahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent gestiegen).

Dennoch ist das H-Fahrzeug ein beliebtes Nischenfahrzeug. Bis ins Jahr 2050 soll zum Beispiel der Anteil von H-Gabelstaplern weltweit auf 65 Prozent ansteigen. In den USA waren bereits 2009 rund 16.000 Stapler mit Brennstoffzelle in Betrieb. Weil sie zwischen Rampe und Lager einen unübertrefflichen Vorteil gegenüber dem E-Stapler aufweisen: Sie stehen nicht gefühlt ewig nutzlos in der Ecke, während ihr Akku geladen werden muss (oder teuer gegen einen Austausch-Akku ausgetauscht wird). Auch BMW nutzt H-Mobility: In Leipzig sind 70 Routenzüge im Einsatz, die mit Wasserstoffmotor das Material übers Werksgelände transportieren.  Auch bei Schwertransporten und im ÖPNV macht Wasserstoff Sinn. Denn je schwerer die Nutzlast, desto schwerer schleppt das Fahrzeug an schweren, vielen und teuren Akkus, wenn es mit Strom fährt. Der Akku-Antrieb kommt bei schweren Lasten nicht an den Diesel ran, wohl aber der Knallgas-Motor.

Wenn also sämtliche Stromquellen CO2-neutral wären und wenn wir genügend, also praktisch unbegrenzt elektrische Energie zur Wasserstoffgewinnung zur Verfügung hätten, dann wäre das Wasserstoff-Auto eine Alternative zum E-Auto. Aktuell jedoch ist die Brennstoffzelle noch keine flächendeckende Alternative zum E-Auto.

2 Kommentare zu „E-Auto: Warum eigentlich?

  1. „Kein Giftmüll wie bei der Entsorgung der hochgiftigen Auto-Akkus.“ – Und auch kein Ausnutzen und Krankmachen der Minenarbeiter, die die nötigen Rohstoffe im Globalen Süden schürfen. Meiner Meinung nach eins der wichtigsten Argumente.

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