Was kost‘ die Welt? Wir drucken sie!

100 bis 250 Milliarden US-Dollar groß. Was schätzen Sie? Welcher Markt ist gemeint? Autos? Bücher, Unterhaltungselektronik?

Keines davon, sondern: 3D-Druck. So groß schätzte McKinsey vor ein paar Jahren den Markt für 3D-Druck bis 2025 ein. Das ist enorm. Vor allem eine enorme Steigerung. Denn 2020 spielte der Markt noch knapp 14 Milliarden ein. Hierzulande benutzt bislang lediglich ein Drittel der Industrieunternehmen 3D-Technologie. Heute schon werden dreidimensional gedruckt: Prothesen, Implantate, Hörgeräte, ganze Häuser (testweise), Besteck, Geschirr, Schuhe, Prototypen, Ersatzteile. Nike zum Beispiel druckt einen Laufschuh für Jogger. Und SpaceX nimmt für die geplante Mars-Mission Drucker mit an Bord, um während des über einjährigen Flugs damit Ersatzteile zu drucken. SpaceX nutzte den Drucker auch bereits für die Entwicklung von Teilen des Raketen-Antriebs.

Hierzulande setzen viele Industrieunternehmen auf den Drucker und das Rapid Prototyping, mit dem man sehr viel schneller als früher Prototypen für bestimmte Einzelteile drucken kann, zum Beispiel für die Optimierung der Einspritzanlage eines Motors in der Automobilindustrie. Deshalb fragte PwC auch in einer Studie (2017) deutsche Unternehmen, wer den Drucker wo einsetzt. Die Einsatzgebiete reichen von der Prototypen-Erstellung und die Pilotphase über die Serienproduktion bis hin zum Ersatzteilemanagement. Danach setzten 2017 bereits 55 Prozent der Unternehmen 3D ein, 45 Prozent noch nicht. Doch danach gefragt, wie es wohl in fünf Jahren aussehen werde, antworteten nur noch lediglich fünf Prozent: „Brauchen wir nicht, machen wir nicht!“

Viele Unternehmen setzen den Drucker bei den Prototypen ein. Bei den Ersatzteilen stieg der Anzahl der Unternehmen, die diese Teile auch drucken, binnen fünf Jahren von 10 auf 85 Prozent. Während also im Privaten bislang lediglich seltene Techno-Nerds fleißig räumlich drucken, sind es bei den Unternehmen mittlerweile viele. Das erleichtert auch die Logistik enorm.

So müssen die Hersteller nicht mehr riesige Lager für Ersatzteile bauen, unterhalten und unvorstellbare Mengen Kapital darin binden, wenn Ersatzteile praktisch on demand und just in time gedruckt werden können. Hoch aktuell ist diese Option auch durch das neue Lieferkettengesetz geworden, das Herstellern vorschreibt, Ersatzteile für Produkte zehn Jahre lang vorzuhalten. Damit in unserer Ex-und-hop-Gesellschaft nicht mehr so viele Produkte auf dem Müll landen, bloß weil irgendwo ein kleines Teil kaputtging. Das ist keine Bagatelle.

Nehmen wir nur einmal VW mit einer Palette von, sagen wir, 20 Modellen à 10 Varianten mit jeweils im Schnitt 10.000 Einzelteilen. Das sind aggregiert Millionen Artikel, die jahrelang auf Lager gehalten werden müssten – und jedes Jahr kommen neue Modelle hinzu. Ohne Drucker würden die Ersatzteillager mit den Jahren Kontinente verschlingen! Wir bräuchten am Ende ganze Planeten als Lagerfläche – womit endlich auch geklärt wäre, warum Elon Musk zum Mars will: Er braucht ihn als Ersatzteillager für die erweiterte Tesla-Produktpalette.

Aber jetzt im Ernst: Ständig beklagen wir den Flächenverbrauch der modernen Zivilisation und dass die ganze schöne Natur zugebaut wird.  Nicht mit 3D-Druck! Der 3D-Drucker schützt Natur und Umwelt, indem er Lagerflächen reduziert. Und natürlich Transportkosten und Umweltbelastung.

Denn je mehr Teile und Produkte gedruckt werden, desto weniger müssen transportiert werden. Zum Beispiel einen neuen Kühlergrill, als Ersatz für den durch Auffahrunfall zersplitterten, kann nur das zentrale Karosseriewerk, oft im Ausland, herstellen. Künftig jedoch können 3D-Drucker überall dezentral stehen. Oder mobil auf der Ladefläche von Kleintransportern, die auf dem Weg ins strukturschwache Hinterland mal eben rasch benötigte und bestellte Teile drucken. Es gibt sogar glaubwürdige Szenarien, welche die „Fabrik im Wohnzimmer“ voraussehen: Wir laden uns einfach übers Internet die Druckvorlage für jedes gewünschte Teil auf unseren eigenen Drucker herunter und drucken aus, was uns gefällt.

Studien zeigen: Werden Teile konsequent dezentral gedruckt, können bis zu 85 Prozent der Transportkosten eingespart werden und große Teile der Umweltbelastung. Einmal ganz davon abgesehen, dass sich auch die Staus auf Deutschlands Straßen weitgehend auflösen würden.

Seit 2018 bietet DB Schenker als erstes deutsches Logistikunternehmen einen 3D-Druck-Service an. Das Unternehmen druckt Ersatzteile zum Beispiel für den ICE und hat auf diese Weise bereits über 15.000 Einzelteile ausgedruckt und ausgeliefert; darunter Verkleidungssteile, aber auch Teile für Antriebe.

Der 3D-Drucker kommt also nicht, er ist längst da – im B2B-Bereich und absehbar bald auch für uns Konsumenten. In naher Zukunft gehen wir dann zum Shopping nicht mehr in die Stadt oder in den Online Shop. Wir drucken einfach aus, was wir brauchen.

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